Mediation in Berlin

außergerichtliche Konfliktlösung und Streitbeilegung

Mediation - oft gestellte Fragen

Was ist Mediation ?

Mediation ist eine Alternative der außergerichtlichen Konfliktlösung und Streitbeilegung.

Konflikte gehören zum Leben und scheinbar unüberwindbare, konträre Postionen sind dabei ganz normal. Das Hinzuziehen eines Mediators (lateinisch, übersetzt "Mittler") kann ein konstruktiver und effektiver Weg in diesem Kommunikationsprozess sein.

Mediation ist ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem die Konfliktparteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Lösung zur Beilegung ihres Konfliktes anstreben. (§ 1 Abs.1 MediationsG)

Die Konfliktparteien bestimmen selbst, welche Themen Sie ansprechen und welche Probleme Sie für die Zukunft regeln möchten. Ziel einer Mediation ist eine einvernehmliche Einigung, d.h. es wird nur eine Vereinbarung getroffen, die von allen beteiligten Konfliktparteien gewollt ist.

Was ist der Unterschied zwischen einer Mediation, einem Schiedsverfahren und einem Schlichtungsverfahren ?

Ein Schiedsverfahren ist ein Streitbeilegungsverfahren vor einem Schiedsgericht. Das sind private, nichtstaatliche Gerichte. Der Ablauf ähnelt dem eines normalen Gerichtsverfahrens. Das Verfahren endet in der Regel mit einem Schiedsspruch durch den Schiedsrichter.

Bei einem Schlichtungsverfahren unterbreitet der Schlichter den Streitparteien einen konkreten Einigungsvorschlag. Nehmen die Parteien diesen an, wird er schriftlich fixiert. Nehmen die Parteien diesen nicht an, ist die Schlichtung in der Regel gescheitert.

Sowohl beim Schiedsverfahren, als auch bei einer Schlichtung entscheidet ein Dritter über Ihre Streitigkeit.

Im Gegensatz dazu, hat der Mediator im Mediationsverfahren keine Entscheidungsbefugnis, sondern erzielt die Lösung des Streits durch neutrale, unparteiische Vermittlung zwischen beiden Seiten. Ziel der Mediation ist eine Konfliktlösung durch eine freiwillige, selbstbestimmte und einvernehmliche Vereinbarung zwischen den Parteien.

 Was macht ein Mediator?

Der Mediator unterstützt die Konfliktparteien bei Ihrer Lösungssuche. Er steht allen Konfliktparteien im Verfahren unparteiisch gegenüber und nimmt die Interessen, Anliegen und Emotionen aller Beteiligten ernst. Er strukturiert und leitet das Verfahren. Es obliegt ihm ebenfalls, die Prinzipien der Mediation zu vereinbaren und zu garantieren.

Im Gegensatz zum Richter entscheidet ein Mediator nicht. Er darf dies von Gesetzes wegen nicht, selbst wenn die Parteien das wünschen. Er hat keine inhaltliche Entscheidungskompetenz.

Ist Mediation eine Rechtsberatung?

Mediation ist keine Rechtsberatung. Ein Mediator darf Sie, selbst wenn er vom Grundberuf Anwalt ist, auf Grund seiner neutralen Rolle im Verfahren nicht rechtlich beraten.

Ist Mediation eine Art Therapie?

Nein. Mediation ist ein sachliches und strukturiertes Verfahren. Die emotionale Konfliktebene wird nur betreten und auch die Vergangenheit nur insoweit erörtert, wie sie für das Konfliktverständnis und für eine zukünftige Regelung unabdingbar ist.  Es werden nicht die Fragen der Vergangenheit geklärt, sondern die einer neuen, zukünftigen Regelung.

Gibt es Vorraussetzungen für eine Mediation?

Die einzige unverzichtbare Voraussetzung für eine Mediation ist zunächst, dass die Konfliktparteien bereit sind, sich an einen Tisch zu setzen und autonom Ihre Interessen vertreten können und wollen.

Ist mein Konflikt für eine Mediation geeignet?

Diese Frage lässt sich nicht abstrakt beantworten. In den Fällen von hochemotionalen Konflikten ist es erfahrungsgemäß nicht empfehlenswert, in der Eskalationsphase schon mit dem Mediationsverfahren zu beginnen. Kategorisch ausgeschlossen ist eine Mediation in Fällen, in denen eine Konfliktpartei nicht eigenverantwortlich für sich handeln kann, weil z.B. eine dauerhafte psychische Erkrankung vorliegt, welche das ausschließt.

Wie lange dauert eine Mediation?

Die einzelnen Sitzungen dauern in der Regel eine oder anderthalb Stunden. Wie viele Sitzungen insgesamt notwendig sind, ist nicht standardisiert. Dies hängt einerseits von der Konfliktsituation ab und andererseits von Ihrem inneren Tempo bzw. der notwendigen Langsamkeit, Entscheidungen zu treffen. Ausschlaggebend ist auch, wie zügig Sie die notwendigen Unterlagen beibringen.

Laut Statistik der Bundesarbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e.V., wird selten die Anzahl von drei bis acht Sitzungen überschritten.

Wie läuft ein Mediationsverfahren ab?

 Die klassische Form einer Mediation hat folgenden Ablauf:

  • Auftragsklärung (u.a. Erläuterung Verfahren/ Klärung, ob Mediation, das richtige Verfahren für Sie ist/ Verteilung der Unterlagen/ Entwurf einer Eingangsvereinbarung) 
  • Themensammlung (Sie bestimmen die Themen und die Priorität bzw. die Reihenfolge deren Bearbeitung)
  • Erarbeiten der Positionen und Interessen (Sichtweisen und Hintergrunderkundung)
  • Sammeln von Optionen zur Lösung (anschließende Bewertung, Abwägung und Auswahl der Optionen)
  • Finden der endgültigen Reglungen/ Abschlussvereinbarung (Vertragsabfassung mit evtl. notarieller Beurkundung oder/ und evtl. Erprobungsphase)

 Was muss ich bei einer Mediation beachten?

 Ein Mediationsverfahren unterliegt gewissen Grundregeln bzw. Prinzipien. Das sind:

  • Freiwilligkeit:  Alle Konfliktparteien haben die Bereitschaft, an der Mediation teilzunehmen. In jeder Lage des Verfahrens besteht die Möglichkeit dieses zu beenden.
  • Allparteilichkeit: Der Mediator ist neutral und allparteilich. Er nimmt die Bedürfnisse und Interessen aller Konfliktparteien gleichermaßen wahr und versucht, alle Konfliktparteien zu verstehen. Er stellt sicher, dass jede Konfliktpartei über ihre eigenen Bedürfnisse klar werden kann und unterstützt die Konfliktpartei, damit sie die Bedürfnisse der jeweils anderen Konfliktpartei verstehen können. Er vertritt keine Partei gegen eine andere außergerichtlich oder im Gerichtsverfahren.
  • Eigenverantwortlichkeit / Autonomie: Die Konfliktparteien müssen in der Lage sein, ihre Interessen und Bedürfnisse im Mediationsverfahren selbst wahrzunehmen und angemessen zu vertreten.
  • Offenheit und Informiertheit: Alle Tatsachen und Belege, die für eine abschließende Regelung von Bedeutung sein könnten, müssen von den Konfliktparteien offengelegt werden.
  • Vertraulichkeit/ Schweigepflicht/ ZeugnisverweigerungsrechtDer Mediationsprozess ist vertraulich. Die Medianden vereinbaren Art und Umfang der Verschwiegenheit. Der  Mediator/ das Mediations-Team (Co- Mediation) ist zur Verschwiegenheit verpflichtet, soweit gesetzlich nichts anders geregelt ist. Er steht nicht als Zeuge/ Zeugin zur Verfügung.
  • Kenntnis der Gesetze: Bei rechtlich relevanten Sachverhalten ist jede Konfliktpartei verpflichtet, sich spätestens vor Abschluss einer Vereinbarung einmal einseitig parteilich durch einen Außenanwalt beraten zu lassen. Der Grund dafür ist, eine eigenverantwortliche Regelung von Bestand kann nur derjenige schaffen, der über das Recht informiert ist. Das ist nur gewährleistet, wenn Sie Ihre individuelle - nach Ihren ganz persönlichen Bedürfnissen und Interessen ausgearbeitete - Regelung mit der pauschalen Regelung des Gesetzgebers vergleichen können.
  • Kommunikationsregeln: Die Konfliktparteien sind bereit, sich in gemeinsamen Gesprächen mit dem anderen konstruktiv auf den Verhandlungsprozess einzulassen und respektvoll miteinander umzugehen.

Wie schließt eine Mediation ab?

Die Ergebnisse der Mediation werden in der Regel in einem Memorandum, d.h. einer schriftlichen Vereinbarung zwischen den Medianden zusammengefasst. 

In einem Mediationsverfahren, deren Ergebnis die Aufklärung eines Missverständnisses oder die Wiederherstellung einer funktionierenden Beziehung ist, kann dies erfahrungsgemäß auch obsolet sein.

In bestimmten Fällen, müssen Sie mit Ihrer Verhandlungslösung weitere Rechtsdienstleistungen in Anspruch nehmen. So kann es z.B. sein, daß

  • Sie eine Verhandlungslösung/ Vereinbarung auf einem Gebiet treffen, deren Regelung gesetzlichen Formvorschriften unterliegt, insbesondere die der notariellen Beurkundung
  • Sie Ihre Verhandlungslösung/ Vereinbarung in einer rechtlich verbindlichen Form dokumentieren möchten. Stellen Sie sich hier zur Abgrenzung die Fragen: Soll das Vereinbarte im späteren Streitfall auch vor einem Gericht durchsetzbar sein? Möchten Sie, dass die Verhandlungslösung rechtssicher und im Einzelfall vollstreckbar formuliert ist?

Ist alles, was ich in der Mediation erzähle, vertraulich?

Mediation ist ein vertrauliches Verfahren. Der Gesetzgeber hat dies in § 1 Mediationsgesetz schriftlich verankert. Im Gegensatz zum gerichtlichen Verfahren, wird in der Mediation nicht öffentlich verhandelt. Es gibt also keine Zuschauer oder Zeugen.

Der Mediator ist gem. § 4 Mediationsgesetz zur Verschwiegenheit verpflichtet. Er darf nichts, was er im Mediationsverfahren von den Beteiligten erfahren hat, an Dritte weitergeben. Er steht auch nicht als Zeuge zur Verfügung. Die Verschwiegenheitspflicht gilt nicht:

  • soweit gesetzlich etwas anderes geregelt ist
  • die Offenheit aus vorrangigen Gründen der öffentlichen Ordnung geboten ist, z.B. bei Kindeswohlgefährdung
  • die Offenlegung des Inhalts der im Mediationsverfahren erzielten Vereinbarung zur Umsetzung oder Vollstreckung dieser Vereinbarung erforderlich ist
  • es sich um Tatsachen handelt, die offenkundig sind oder ihrer Bedeutung nach keiner Geheimhaltung bedürfen

Gibt es in der Mediation auch Einzelgespräche?

Im allseitigen Einverständnis sind getrennte Gespräche des Mediators mit den Konfliktparteien möglich und auch in manchen Phasen der Mediation sogar sehr konstruktiv für den Prozess.

Spart mir die Mediation einen Rechtsanwalt?

Mediation ist eine Alternative zur gerichtlichen Auseinandersetzung. Sie findet jedoch nicht im rechtsfreien Raum statt. Über zwingendes Gesetzesrecht und gesetzliche Verbote können und dürfen sich die Medianden nicht hinwegsetzen. Jeder Konfliktpartner soll die Möglichkeit haben, sich - soweit dies gesetzlich möglich ist -  sein eigenes Recht zu schaffen oder aber auf die Lösung des Gesetzgebers zurückzugreifen.

Um diese Wahlfreiheit ausüben zu können, müssen sie das Recht kennen. Von daher ist es erforderlich, das Sie sich einmal parteilich, ohne Anwesenheit des Anderen, bei einem Außenanwalt beraten lassen.

Ich habe schon einen Rechtsanwalt, weshalb sollte ich jetzt noch eine Mediation beginnen?

In dem man einen Rechtsanwalt beauftragt, überlässt man die Erarbeitung der Lösung eines Konfliktes und das Treffen von Entscheidungen zum Großteil einem Dritten. Der anwaltliche Schriftverkehr mit der Gegenpartei kann unter Umständen sehr lang dauern und daher auch sehr kostenintensiv werden. Werden sich Ihre Anwälte nicht einig, geht die Sache meist zu Gericht.

Wenn Sie sich grundsätzlich in der Lage fühlen, anstehende Fragen und Probleme selbst zu lösen, kann eine Mediation ein konstruktiverer und effektiverer Weg sein. Sie sollten gleichfalls überlegen, inwieweit Ihnen eine einvernehmliche Regelung wichtig ist.

Soll und kann ich meinen Anwalt zur Mediation mitnehmen?

 Die Mediation findet üblicher Weise ohne Anwesenheit der Anwälte statt , da eine selbstständige und eigenverantwortliche Einigung der Konfliktparteien angestrebt wird. Bevor Sie jedoch eine verbindliche Abschlussvereinbarung unterschreiben, sind Sie sogar verpflichtet, sich mit Ihrem Anwalt noch einmal parteiisch zu beraten.

Welchen Vorteil bringt eine Mediation im Scheidungsverfahren?

 Der bedeutendste Vorteil einer Mediation bei Scheidung und Trennung ist, dass Sie Ihre Konflikte miteinander und nicht gegeneinander lösen. Bei einer erfolgreichen Mediation bleibt somit die soziale, persönliche Beziehung, wenn auch in anderer Form, zum ehemaligen Partner erhalten. Dies kann die zukünftige, gemeinsame Wahrnehmung der Elternrolle wesentlich erleichtern und lässt vor allem die Kinder eine Trennung der Eltern besser ohne Schäden überstehen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass sich eine Familienmediation in der Regel auch kostengünstiger erweist, als eine Scheidung, bei der alle strittigen Fragen vor Gericht geklärt werden. Sie können sich in Deutschland zwar nicht ohne Anwalt scheiden lassen. Im Falle einer einvernehmlichen Scheidung benötigen Sie jedoch nur einen Anwalt, statt zwei. Zudem orientiert sich bei einer Scheidung die Höhe der Gerichts- und Anwaltskosten am Streitwert. Je weniger strittig ist, umso geringer ist der Streitwert und damit auch Ihre Kosten.

Mediation bei einem laufenden gerichtlichen Verfahren ?

Gerichtliche, streitige Verfahren sollten während der Mediation ruhen. Seit dem 01.01.2002 sind mögliche Verjährungsfristen während der Mediation gehemmt. Wird in der Mediation keine (vollständige) Lösung erarbeitet, kann das Gerichtsverfahren wieder aufgenommen werden.

Sind die Kosten für eine Mediation überall gleich?

Die Kosten für eine Mediation sind nicht einheitlich geregelt. Jeder freie Mediator legt seine eigenen Honorarvorstellungen fest, welche denen von freien Therapeuten entsprechen, also liegt der Stundensatz zwischen 80 bis 150 €. Es gibt jedoch auch einzelne  - sehr gefragte - Mediatoren, deren Stundensätze höher liegen.

Habe ich eine Garantie, dass die Mediation erfolgreich ist?

Es gibt leider keine Garantie, dass eine Mediation erfolgreich ist. Ich kann Ihnen aber garantieren, Sie professionell durch das Verfahren zu begleiten.

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat 2017 den Evaluierungsbericht einer bundesweiten, rechtsstaatlichen Studie über die Auswirkungen des Mediationsgesetzes und die Nutzung von Mediation in Deutschland veröffentlicht. Daraus geht hervor:

  • Mediation hat als alternatives Instrument der Konfliktbeilegung in Deutschland einen festen Platz in der Streitbeilegungslandschaft.
  • Treffen einer einvernehmlichen Abschlussvereinbarung - Quote 76 %
  • komplette Streitbeilegung - Quote 50%